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Hochgeschwindigkeitspendeln & Flattern

In der Regel ist ein zu strammes, zu loses oder gar defektes Lenkkopflager die Ursache. Das Thema Serienstreuung und Fertigungstoleranzen spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Zum Teil widersprüchliche Aussagen von Besitzern gleicher Moppeds beweisen dies immer wieder. Nicht umsonst übrigens erzielt Emil Schwarz mit seinen exakt eingeklebten, toleranzmässig aufs denkbar Minimale beschränkten Lagern so beachtliche Erfolge. Was manchmal Wilbers, Öhlins & Co. nicht hinkriegen erledigen die Schwarz-Präzisionslager oft im Handumdrehen.

Ein wenig zur Theorie:

Hochgeschwindigkeitspendeln

H. entsteht, wenn die Eigenfrequenzen des Lenksystems und der Maschine zusammentreffen. Die des Lenksystems liegt etwa zwischen zwei und drei Hertz, abhängig vom Nachlauf und dem Trägheitsmoment um die Lenkachse. Die Eigenfrequenz der Maschine wird unter anderem von der Gewichtsverteilung und dem Radstand beeinflusst, sie steigt aber immer mit der Geschwindigkeit an. In der kritischen Resonanzlage schaukelt sich das Pendeln immer weiter auf.

Neben der vorhandenen Fahrwerksgeometrie (Nachlauf, Radstand, Lenkkopfwinkel), die an dieser Stelle bezüglich der TL mal nicht in Frage gestellt werden soll, können Beladungsszustand, Reifen, Sitzposition und Feder-/Dämpferkonfiguration die Neigung zum Pendeln verstärken oder verringern.
An dieser Stelle muss auch darauf hingewiesen werden, dass das Durchstecken der Gabel, als ein durchaus hilfreiches Mittel zur Erhöhung der Wendigkeit und "Beruhigung" des Fahrwerkes, zwangsläufig (sonst hätte es ja nicht den Effekt) zu einer Veränderung des Nachlaufes führt.

Desweiteren muss dann doch eingeräumt werden, dass die ungünstige Radlastverteilung der TL im Serienzustand nicht unbedingt zu einer Beruhigung dieser Effekte beiträgt (das Thema Ursprungsbereifung auf der TL spare ich aus, das dürfte sich erledigt haben). Kommt dann noch ein entsprechend fehlgeführtes Lenkkopflager hinzu, kann es je nach "Gesamtkonfiguration" zu erheblichen Reaktionen kommen.

In diesem Zusammenhang sei noch erwähnt, das Lenkungsdämpfer das Aufschaukeln der Schwingungen von Lenkungsflattern und Hochgeschwindigkeitspendeln unterbinden bzw. mildern, aber eben nicht die Ursache, sondern nur das Symptom bekämpfen. Wobei selbiger natürlich in Richtung Lenkachse spielfrei montiert sein sollte.

Hochgeschwindigkeitspendeln ist übrigens nicht zu verwechseln mit:

Flattern

Sich aufschaukelnde Drehschwingungen der gelenkten Teile mit einer Frequenz von vier bis zehn Hertz. Sie treten vor allem im Geschwindigkeitsbereich von 40 bis 80 km/h auf und werden durch außermittig überfahrene Unebenheiten oder Lenkeinflüsse des Fahrers angeregt.

Nicht sauber ausgewuchtete Reifen sind auch häufig die Ursache. Bitte beachten, dass neue Reifen jeweils auf den Felgen ausgewuchtet werden müssen. Der Satz "Felgen auswuchten" wird irrigerweise oft so interpretiert, dass die Felge ansich gewuchtet wird. In der Regel ist es jedoch so, dass nicht die Felge eine ungleichmässige Gewichtsverteilung aufweist, sondern der jeweilige Reifen. Also bei jeder Montage der Reifen sollte neu ausgewuchtet werden.

An dieser Stelle soll auch nochmal darauf hingewiesen werden, dass möglichst immer mit sorgfältig aufgeschraubten Originalventilkäppchen (!) gefahren wird. Ohne Verschlusskäppchen besteht die Gefahr des Druckverlustes, da bei höheren Geschwindigkeiten die Beschleunigungskräfte in Richtung Reifenaussenseite so hoch werden können, dass sich das Ventil selbsttätig öffnet, Das ist dann der gleiche Effekt, wie das manulle Niederdrücken des Ventilstiftes um die Luft raus zulassen. Über die Konsequenzen was das bei 200 km/h (wo immerhin 50 Meterin der Sekunde zurückgelegt werden) bedeutet, braucht wohl nix gesagt zu werden. Gleichzeitig ist von sog. "Verschönerungskäppchen", meist in Form eines Kolben und aus Metall, abzuraten. Abgesehen davon, dass es sich nicht um original-geprüfte, und somit nicht immer sichere Teile handelt, werden diese Teile i.d.R. nachträglich angebracht, was eine erneute Unwucht herbeiführen kann. (Anm.: Bei einer Harley oder änlichem mag das nicht so ins "Gewicht" fallen...;o)

Zurück zum Thema Hochgeschwindigkeitspendeln:

  • Zug- und Druckstufe sowie Federvorspannung prüfen, vor allem: Links/rechts identisch?
  • Gabelrohre beidseitig identisch eingebaut (interessant, wenn vorher das oben schonmal erwähnte Durchstecken erfolgt ist)?
  • Reifendruck ok?
  • Lenkkopflager checken!

Es wird übrigens bei den ganzen Betrachtungen davon ausgegangen, dass keine grundsätzlichen Defekte, wie undichte Gabelsimmerringe, ungleiche Dämpferinhalte, verzogene Gabelrohre etc., vorliegen. In diesem Fall sollte man(n)/frau erstmal alles regelkonform funktionstüchtig machen.

Wenn die genannten Punkte ok sind (bzw. korrigiert wurden), müsste das eigentliche Hochgeschwindigkeitspendeln deutlich verringert oder gar beseitigt sein. Alles, was danach kommt (z.B. andere Gabelfedern und -öl etc.), dient dann "nur" noch zur Verbesserung oder Anpassung des grundsätzlichen bzw. unter Umständen individuell geforderten Fahrverhaltens.

Will sagen: Wer viel auf die Rennstrecke geht, hat andere Intentionen als jemand nur im 2-Personenbetrieb unterwegs ist. Aber das ist ein anderes Thema.

harry