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Duc-Stummel
Bekanntlich ist die Position der Serienstummel an der TL
nicht sehr komfortabel. Neben einigen kostspieligen Zubehör-Lenkerstummeln,
die sich durch teilweise hervorragende Verarbeitung sowie Verstellmöglichkeiten
auszeichnen, gibt es als preiswerte Alternative Original-Ducati-Stummel
zu montieren


| Die
nachfolgenden Tips sind nach besten Wissen erstellt, erfolgen aber
ohne jegliche Gewähr. Ich übernehme keinerlei Verantwortung für die
Änderung des Serienzustandes der TL 1000 S. |
| Typ: |
|
Ducati Typ SS ab Baujahr
1991 sowie 851 |
| Ausführung: |
|
Stahl schwarz, nicht verstellbar,
Kunststoff-Verschlussstopfen an den Enden |
| Bezugsquelle: |
|
Jeder Duc-Händler |
| Kosten: |
|
ca. € 90,00 |
Infos:
- Erschreckt nicht, wenn ihr die Stummel vor euch habt.
Die Verarbeitung kann man nicht als schlecht bezeichnen, sondern eher
als nicht vorhanden. Schwarze Stummel eben, ohne Schnick-Schnack, keine
Verstellmöglichkeit und aus Stahl. Angebaut fällt das jedoch überhaupt
nicht mehr auf. Siehe hierzu auch TÜV.
- Der Umbau erfolgt bei komplett entlastetem Vorderrad
und ist nicht problematisch, eben halt ziemliches Geraffel wegen den
Zügen und Leitungen. Im Gegensatz zu manchen Zubehör-Stummeln sind längere
Züge/Leitungen nicht erforderlich. Die vorhandenen originalen reichen
aus.
- Um den größtmöglichen Effekt zu erzielen, habe ich die
Lenkerstummel an der vorhandenen Nut um zirka zwölf Millimeter
gekürzt, da es sonst knapp wird mit dem austarieren von Lenkeinschlag
und Abstand zum Tank (vorher ausprobieren, siehe hierzu auch
Punkt 5) Unabhängig davon müssen die Kunststoffverschlussstopfen an
den Stummelenden entfernt werden (Niete rausbohren).
- Die Original-Lenkergewichte sind nicht mehr ohne weiteres
zu gebrauchen. Ich selbst habe V2A-Kellermann (universal-Version) Schwingungsdämpfer
montiert (€ 22,90 bei Polo)
montiert. Sehen gut aus, gibt es auch in schwarz, und sind top verarbeitet,
und das Gewicht stimmt auch.
- Die Kreuzschlitzschrauben der alten Lenkergewichten
rauszuschrauben, kann man getrost vergessen. Auch ein Schlagschrauber
bringt nix. Die Schrauben müssen mit einem 3 mm-HSS-Bohrer angebohrt,
und dann mit Linksausdreher entfernt werden. Mit langsamer Drehzahl
und einem Tropfen "Schraubendoktor" klappt es vorzüglich.
- Es muss etwas getrickst werden mit der Position: Die
Schellen können nicht bündig unter die obere Gabelbrücke montiert werden,
da sonst kein Lenkeinschlag mehr möglich ist.
Nochmal zum Thema "Stummel kürzen":
Es sollte vorher ausprobiert werden, ob das Kürzen erforderlich
ist. Je nach Einstellwinkel zur Standrohrachse mag es nicht notwendig
sein. Mir war es in der Originallänge zu ausladend. Nach dem Kürzen
passten die Kellermann-Lenkergewichte ( wg. der Länge der Griffgummis
) so "gerade", will sagen, alles ziemlich knapp die Sache.
Aber es passt und sitzt bombenfest.
Der Abstand zwischen Oberkante Stummel-Schelle und Unterkante obere
Gabelbrücke beträgt bei mir zwölf Millimeter (kein Tippfehler,
es ist zufällig das gleiche Maß wie beim Kürzen). Abstand Lenkerende
bei Volleinschlag zum Tank: Zehn Millimeter.
Bei gekürzten Stummelenden müssen die Schalterarmaturen etwas nach vorne
gedreht werden, um sie ganz nach oben schieben zu können. Andernfalls
kommt es wegen des relativ spitzen Schweißwinkels der Stummel
zu Platzproblemen, sprich: Das Stummelrohr ist zu kurz, und die Griffe
stehen über.
An die leicht nach vorne-oben gedrehten Schalterarmaturen gewöhnt man(n)/frau
sich schnell, ergonomische Verrenkungen gibt es nicht.
Die geschilderten Maßnahmen führen wohl zur höchstmöglichen Positionierung
der Stummel, ohne die Freigängigkeit, auch in Richtung obere Verkleidungskante,
zu beeinträchtigen. Bei allen Umbauten, welche ich auf dem letzten TL-Treffen
gesehen habe, waren die Stummel in niedrigerer Position als bei mir.
Aber nochmals, vorher checken, auch wenn's mehr Arbeit ist. Wem
die Lenkerpositionierung bei Originallänge der Stummel gefällt, und
die Höhe ausreicht, der kann auf das Kürzen verzichten.
Das Thema breite ich deshalb so aus, weil's bei einigen Leuten zu Schwierigkeiten
nach dem Absägen kam. Wenn die Enden erstmal "ab" sind,
dann bedarf es schon einiger Tricks und Geschick, die Chose noch zu
retten, falls zuviel abgesägt wurde.
- An beiden Schalterarmaturen befinden sich "Fixierungsnasen".
Die müssen weg (den Lenker wollte ich nicht anbohren, außerdem ist dann
die flexible Einstellung futsch). Habe an der Stelle um den Lenker dünnes
(!) beidseitiges Klebeband angebracht. Dadurch kein verdrehen mehr.
Ich wollte die Gehäuseschrauben der Schaltereinheiten nicht überstrapazieren.
- Die meisten Gedanken wird man(n)/frau sich wohl wegen
der Halterung für den Bremsflüssigkeitsbehälter machen. Meine Lösung
ist ein verzinktes Stahlwinkelblech, welches an der unteren Schraube
der Bremshebelschelle befestigt ist. Das ganze mit Hämmerit geschwärzt,
sieht es schon fast wie "original" aus. Der Behälter steht
dann waagerecht, und der Blick auf die Armaturen ist frei.
Hierzu folgendes:
Jeder kennt sicher Selbstbauschränke und Regale aus dem Möbelhaus. Wenn
diese Teile höher als 1,60 m sind, dann ist dem Aufbausatz ein kleines
Tütchen mit einem Winkel beigelegt, mit dem das Möbelstück an der Wand
befestigt werden kann, um das nach vorne kippen bei "eingeräumten"
Zustand zu verhindern.
Tja, und genau der Winkel eignet sich hervorragend als neuer
Befestigungsbügel für den Bremsflüssigkeitsbehälter. Lediglich die vorhandenen
Bohrungen müssen etwas erweitert werden, damit die Originalschrauben
passen. Den Winkel gibt's auch einzeln im Baumarkt. Also, Regal kaufen
um die Stummel zu montieren ist nicht erforderlich! ;o)
Zum "fahrtechnischen Ergebnis":
- Handling angenehmer, die Gelenke ziehen nicht mehr und
die Übersicht ist super.
- Zum Highspeedscrollen auf der BAB ist's jetzt nicht mehr
so schön, aber wer will das schon wirklich (und dauerhaft)?
- Trotz aufrechter Sitzposition nimmt übrigens der Winddruck
am Helm zumindest subjektiv nicht zu. Liegt wohl daran, das der Kopf
wohl jetzt "normgerecht" im Fahrtwind hängt. Zumindest bei
meinem Shoei XRV-Replica & und FM-Carbon.
- Aber: offensichtlich ändert sich die Schwerpunktlage
und auch das mässige Dämpfungsverhalten des Original-Rotis scheint sich
dramatischer auszuwirken. Gleichzeitig verringert sich der Druck auf
das Vorderrad, was beim Landstraßen-Tiefflug noch verschmerzlich
ist, bei Highspeed auf der BAB aber überhaupt nicht mehr lustig ist.
Ob hier Feinjustage ausreicht, oder ein Rundumschlag mit
anderen Fahrwerkselementen notwendig ist, werde ich wohl noch er-fahren
(müssen).
Werkzeug:
- Satz Maul- / Ringschlüssel, Inbusschlüssel, 32er Nuss
(für Lenkkopfmutter, ½"-Ausführung für € 9,00 bei Obi)
- Eisensäge (oder Dremel)
- Bohrmaschine und 3 mm-HSS-Bohrer, dazu passender Linksausdreher
- Wasserpumpenzange, kleiner Seitenschneider oder Modellbaumesser
o.ä., Schlüsselfeile
- Dünnes (!) doppelseitiges Klebeband
TÜV:
- Da es sich um ein bauartgeprüftes Ersatzteil aus dem
Bereich Zweirad handelt, macht die Eintragung i.d.R. bei einem praxisorientierten
Prüfer keine Probleme.
Will heissen, Eintragung grds. möglich. In jedem Fall sollte (sofern
erfolgt) das absägen nicht erwähnt werden.
- Nachweise vom Duc-Händler und Rechung sollten bereit
gehalten werden.
- Grundsätzlich ist zu beachten, dass die Lenkerstummel
zu allen anderen Teilen an der Maschine 30 mm Abstand haben müssen.
Dies kann je nach Positionierung insbesondere beim Tank problematisch
werden. Da hilft nur VORHER "irgendwie" justieren und ein
wenig Glück.
- Obacht bei der Befestigung des Bremsflüssigkeitsbehälters.
Man(n)/frau kann es auch übertreiben. Handwerklich zwar perfekt ausgeführte,
aber optisch leicht exotisch wirkende Konstruktionen können eher hinderlich
sein. Hier ist weniger manchmal mehr.
Ob der Umbau überhaupt auffällt, sowohl beim TüV als auch
bei Strassenkontrollen hängt im wesentlichen auch von der Konstruktion
dieses Teiles ab.
Also ich habe einen TüV-Prüfer bei mir in der Garage gehabt,
und er meinte es wäre ok, ich sollte bei der nächsten HU einfach mal den
Mund halten. ;o)
Viel Spass, Harry aus'm Rheinland
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