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Lenis-Keile

Geschrieben von Harry:

Vorab 3 Anmerkungen:

  1. Alle Angaben sind nach besten Wissen und Gewissen, aber absolut ohne Gewähr. Ich übernehme keine Verantwortung für die Änderung des Serienzustandes der TL.
  2. Es soll hier nicht der Eindruck entstehen, dass die Firma Lenis schlechte Ware verkauft. Meines Erachtens sind die Keile eine geniale Idee, gleichzeitig aber nur ein Kompromiss. Wer High End haben will, der muss eine andere Krümmeranlage bauen (lassen) und zum Rückrüsten die alten Rohre im Schrank behalten. Für mich ist es entgegen erster Meinung, eine klasse Lösung, vor allem weil am Fahrzeug selbst alles beim alten bleibt.
  3. Mein Bericht ist wieder mal etwas ausführlicher als üblich geworden. Man(n)/frau möge das entschuldigen, aber ich mag es nicht, wenn so mal eben von "anpassen" gesprochen wird und keiner sagt, was damit gemeint ist bzw. welche Spätfolgen dies auf die Peripherie haben kann. Jeder kann sich ja "seinen Teil" entnehmen.

Beschreibung:

Bei den Lenis-Keilen handelt es sich um gefräste, keilförmige Alu-Passstücke, welche zwischen den Auspuff-Aufnahmeflansch am Krümmerende und den eigentlichen Dämpfertöpfen gesetzt werden. Das Teil ist im Grundriss wie eine Dichtung geformt, in der Seiten- und Montageansicht oben dünner als unten ( wobei alle vier Enden unterschiedliche Stärke haben. Dadurch verändert sich der Anstellwinkel der Endtöpfe stärker nach oben und nach innen. Es handelt sich also nicht direkt um eine Höherlegung der Auspuffanlage à la Honda Hornet.

Optisch wirkt die Auspuffanlage dann wie bei Hondas VTR SP 1/2 oder den 851er und 888er Ducatis.

 

 

Hersteller:

Meines Wissens gibt es die Teile nur bei der Fa. Lenis/Ennepetal.

Kosten:

Kitpreis € 149,00. Wer nicht selbst basteln will, dem baut Lenis die Sachen auch für € 60,00 an den Original-Töpfen um (Preisstand April 2003 sowie Auskunft von Lenis selbst).

Lieferumfang:

  • 2 Keile,
  • 2 Aluhaltebügel für die Auspuffanlage sowie
  • 8 unterschiedlich langen Inbusschrauben (8 mm)
    mit passenden Distanzhülsen. Letztere sind an einer Seite abgeschrägt.

Die Teile:

Die Keile sind sauber aus dem Vollen mit exakten Bohrungen für die Original-Gewindebolzen der Serientöpfe gefräst und besitzen eine nach innen liegende Nut zur Aufnahme einer Dichtung und Einpassung der Originaltöpfe. Bei den beiliegenden Haltern für die dann später höher kommenden Endtöpfe handelt es sich um handbearbeitete Alustäbe von 3,8 mm Stärke mit Bohrungen und zweimal vorgebogen.

Anbau:

Serien-Töpfe

Bevor der Anbau erfolgen kann, müssen die Gewindebolzen an den Töpfen entfernt werden, da diese

  • am unteren Montagepunkt durch den Lenis-Keil (der letztlich nur ein Distanzstück darstellt) zu kurz sind und
  • durch ihren extrem festen Sitz keine optimale Anpassung ermöglichen.

Die Gewindebolzen werden entfernt, indem man eine Sechskantmutter bündig auf die Gewindebolzen schraubt, und diese mit einem Hammer nach innen schlägt. In der Hoffnung, dass sonst nix ausbricht, fallen die Bolzen einschließlich der im Endtopf befindlichen Gewindeaufnahmehülsen nach innen durch.

Danach hat man die Töpfe ohne Gewindeaufnahme vor sich, und es können

  1. neue Gewindebuchsen eingezogen werden oder
  2. größere Gewinde geschnitten werden.

Von der Variante 2 ist abzuraten, da dann die vorgefertigten Bohrungen in den Keilen nicht mehr passen und die mitgelieferten Schrauben ebenfalls hinfällig sind. Außerdem passen die neuen Schrauben nicht mehr in die Bohrungen des Krümmerflansches, was eine spätere Rückrüstung auf "normale" Anlage schwieriger macht.

Wie man neue Gewindebuchsen einzieht, ist hier nicht Thema. Daher springe ich direkt weiter.

BOS-Töpfe

Ab jetzt gilt die Anbaubeschreibung gleichzeitig für die Verwendung von BOS-Töpfen (sowie anderer Anlagen, welche 8-mm-Gewindebohrungen besitzen).

Es gibt mehrere Schwierigkeiten bei der Montage zu bewältigen:

  1. Die Keile sind symmetrisch aufgebaut und stellen die Endtöpfe steiler und nach innen. Die Anwinkelung der Krümmer ist aber nicht symmetrisch, da auf der linken Seite zur "Umgehung" des Kettentriebes der Winkel größer ist. Dadurch, dass der Keil jedoch wie eine Verlängerung des Krümmers wirkt, reicht die serienmäßige Anwinkelung nicht aus, wodurch der linke Topf weiter vom Motorrad absteht.

  2. Die Bohrungen der Keile sind exakt rund und vertikal in das Werkstück eingebracht (wie vernünftige Bohrungen auch eigentlich sein sollen). Durch die Keilform fluchten die Linien der Bohrungen Auspuff-Keil-Krümmer jedoch nicht mehr. Aus diesem Grund werden auch zwischen Schraubkopf und Auspuffflansch abgeschrägte Distanzhülsen eingesetzt, um die Schrauben zwanghaft in Richtung zu bringen.

Um es vorweg zu nehmen: Die oben geschilderten Distanzprobleme sind nur nach und nach anzugleichen, indem die unteren Bohrungen (dickes Teil) an den Keilen etwas ovalförmig aufgeweitet werden müssen. Dies, damit später die Befestigungsschrauben einigermaßen sauber in das Endtopfgewinde gedreht werden können. Auf der linken Seite kann diese Aufweitung etwas großzügiger und auch seitlich erfolgen, damit die Töpfe durch entsprechende Positionierung der Auspuffhalter herangezogen werden können.

Um das Ganze passend zu machen, muss also an mehreren Stellen nachgebessert werden, wobei darauf hingewiesen wird, dass wir hier von Bearbeitungen im Millimeterbereich sprechen! Eine Richtungsänderung der Bohrung um einen Millimeter am Krümmeranschluss führt unter Umständen zu mehreren Zentimetern veränderter Ausladung der Töpfe am oberen Ende. Also Vorsicht: Jede Anpassung einzeln und schrittweise für sich vornehmen! Und zwischendurch immer wieder "dranhalten" und prüfen. Wer etwas mehr Mut hat, der weitet die Bohrungen um 1,5 bis 2 mm aus und richtet das Ganze mit den Auspuffhaltern aus. Aber nicht meckern, wenn die Chose nicht dicht wird!

Apropos Auspuffhalter: Die mitgelieferten Teile sind - höflich ausgedrückt - "einfacher Natur" und sehen an der Originalrahmenaufnahme, die bekanntlich zwei Befestigungspunkte hat, bescheiden aus. Aufgrund der geschilderten Anpassungen wird aber auch klar, warum die Halter eine relativ große Materialstärke haben. Es sollen die Auspuffe (vor allem der linke) "herangezogen" und gehalten werden können. Vorweggenommen, die Halter hätten bei mir überhaupt nicht gepasst. Ich hätte auch die Befestigungslaschen an den Töpfen ändern müssen. Ich nehme an, dass Lenis da beim Einbau recht grob dran geht, und das ganze "passend" macht. Aufgrund des Supermaterials (auch an der TL) kann man das wahrscheinlich machen.

In jedem Fall sind zwischendurch mal alle Schrauben anzubringen (einschließlich des Halters) und über Kreuz anzuziehen. Dann sieht man recht gut, wohin es sich verzieht und wo Nachbesserung erforderlich ist. Ich für meinen Teil hatte Glück, dass die Lenis-Keile gebraucht waren, wodurch nur wenig getan werden musste. Den Rest habe ich dann über die Halter erledigt, welche ich nach eigenen Angaben bei einem Metallbaubetrieb aus 2 mm-V2A-Material habe fertigen lassen.

Wer solche Teile braucht (allerdings nicht vorgebogen), der soll mich anmailen oder anrufen: v2harry@web.de, Telefon tagsüber (0 22 41) 10 72 33, privat (0 22 8) 45 41 99. Kostenpunkt irgendwo um € 30,00.

Abschließend noch der Hinweis, dass die Soziusrasten natürlich wegfallen. Lenis hat nach eigenen Aussagen hierfür eine Lösung, um zumindest "Kleinwüchsige" mitnehmen zu können. Hierzu kann ich aber nix sagen.

Viel Spaß und Erfolg!
Harry aus'm Rheinland